
Einleitung: Von 5,1 Millionen zum Verkehrswert von 930.000 Euro
Am 21. Oktober 2026 kommt am Amtsgericht Neu-Ulm ein Einfamilienhaus in Elchingen-Oberelchingen unter den Hammer, dessen Geschichte für sich spricht: Noch vor wenigen Jahren wurde die Immobilie am Martinstor 2 für 5,1 Millionen Euro am Markt angeboten. Der aktuelle Verkehrswert laut Sachverständigengutachten liegt bei 930.000 Euro. Zwischen beiden Zahlen liegt die Geschichte eines Rohbaus, der seit Jahren stillsteht, eines gescheiterten Verkaufsversuchs – und eines bereits einmal verschobenen Versteigerungstermins.
Die Kernfrage: Wie wird aus einem als "Haus der Superlative" vermarkteten Millionenprojekt ein Rohbau, der am Ende für einen Bruchteil des ursprünglichen Angebotspreises zwangsversteigert wird?
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Das Objekt: Ein Rohbau mit Halt seit Jahren
Laut Versteigerungsobjekt handelt es sich um ein dreigeschossiges Einfamilienhaus mit Hanggeschoss, Baujahr 2017, mit 590 m² Wohnfläche auf einem 2.312 m² großen Grundstück. Das Gutachten beschreibt den aktuellen Zustand nüchtern: Das Anwesen befinde sich "zu einem großen Teil im Rohbau", die Bauarbeiten seien "seit einigen Jahren im Stillstand". Der haustechnische Ausbau wurde zwar begonnen, aber nicht fertiggestellt – seine Funktionsfähigkeit konnte beim Ortstermin nicht überprüft werden. Gebäude und Außenanlagen befanden sich laut Gutachten "teilweise in einem nachlässigen Zustand".
Der Bauherr und sein "Haus der Superlative"
Bauherr der Villa nahe dem Kloster Oberelchingen ist der Elchinger Hausarzt Dr. Konstantin Sintschikin, der in der Region mit seinem medizinischen Versorgungszentrum ElKlinik bekannt ist. In der Lokalpresse wurde das Anwesen als "Haus der Superlative" beschrieben – ein Anspruch, der sich zunächst auch im Angebotspreis widerspiegelte.
Der gescheiterte Verkaufsversuch
Ab Juni wurde die noch unfertige Villa für 5,1 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Käufer fanden sich jedoch nicht. Ende September senkte Sintschikin den Preis um 700.000 Euro auf 4,4 Millionen Euro und erklärte öffentlich: "Beim Preis bin ich flexibel." Auch eine Teilung des Grundstücks in mehrere Parzellen, um das Objekt für unterschiedliche Käufergruppen attraktiver zu machen, brachte keinen Erfolg. Am Ende wurde das Inserat von den Immobilienportalen genommen, ohne dass ein Käufer gefunden worden war.
Ein bereits verschobener Termin
Die Zwangsversteigerung der Villa war ursprünglich bereits für Mitte Mai 2026 angesetzt, wurde dann jedoch abgesagt und neu terminiert. Der neue Termin am 21. Oktober 2026 um 9:00 Uhr am Amtsgericht Neu-Ulm findet nun mit einem amtlich festgesetzten Verkehrswert von 930.000 Euro statt – ein Bruchteil des einstigen Angebotspreises, der die Wertentwicklung eines über Jahre brachliegenden Rohbaus in Zahlen fassbar macht.
Der Kern des Problems: Ein Rohbau verliert mit jedem Jahr Baustillstand an Wert – nicht nur durch Witterungseinflüsse und fehlende Fertigstellung, sondern auch, weil sich für ein derart individuelles, unfertiges Objekt am freien Markt kaum ein Käufer zum gewünschten Preis findet.
Fazit: Chance für Bauwillige mit langem Atem
Für Bieter mit Erfahrung im Fertigstellen von Rohbauten bietet die Versteigerung eine Gelegenheit, ein großzügig dimensioniertes Einfamilienhaus in exponierter Lage nahe dem Kloster Oberelchingen deutlich unter den einstigen Ambitionen des Bauherrn zu erwerben. Wer zuschlägt, muss allerdings einkalkulieren, dass der haustechnische Ausbau nicht abgeschlossen ist und weitere Investitionen in unbekanntem Umfang nötig sein werden, um aus dem Rohbau ein bewohnbares Zuhause zu machen.
Die Villa in Elchingen in Kürze
Von 5,1 Mio. auf 930.000 €
Ursprünglicher Angebotspreis 5,1 Mio. €, amtlicher Verkehrswert zur Zwangsversteigerung nur noch 930.000 €.
Rohbau seit Jahren im Stillstand
590 m² Wohnfläche auf 2.312 m² Grundstück, Baujahr 2017, haustechnischer Ausbau unvollendet.
Bereits einmal verschoben
Ursprünglicher Termin Mitte Mai 2026 abgesagt, neu angesetzt auf 21.10.2026, AG Neu-Ulm.
Gescheiterter Privatverkauf
Trotz Preissenkung um 700.000 € und Grundstücksteilung fand sich am freien Markt kein Käufer.
